Ein mulmiges Gefühl im Bauch, schmale Wege und steile Abhänge – genau deshalb bin ich ins Allgäu gekommen.

Unser Treffpunkt ist der Wanderparkplatz bei Nesselwängle. Um entspannt in das Wochenende zu starten, habe ich bereits am Vorabend in Tannheim im Hotel Schwarzen Adler übernachtet. Eine gute Entscheidung, denn so beginnt der Tag ohne Hektik.
Der kurze Weg zum Treffpunkt ist schnell geschafft. Das Auto ist geparkt und die Parkgebühren sind bezahlt – für zwei Tage werden 7 € berechnet. Wichtig: Münzen bereithalten, denn das Internet funktioniert dort nicht.
Meine kleine Gruppe wartet bereits auf mich: Christiane, Vanessa und ich nehmen am Höhenangst-Training teil. Nach einem kurzen Briefing mit Stefan von Alpintrekker schultern wir unsere Rucksäcke und starten.



Der erste Abschnitt führt über einen breiten Fahrweg. Doch schon bald wird der Weg schmaler. Ein Naturpfad schlängelt sich durch den dichten Wald stetig bergauf. Noch fühlen wir uns sicher zwischen den Bäumen. Nach einigen Kehren legen wir die erste Pause ein. Stefan zeigt uns einfache Entspannungsübungen und erklärt, wie wichtig die richtige Atmung ist, besonders in stressigen Situationen. Bei sommerlichen Temperaturen lernen wir außerdem schnell: genug trinken ist Pflicht.


Mit jedem Höhenmeter verändert sich die Landschaft – und auch meine Gedanken. An der Baumgrenze wird das Gelände offener, steiler und deutlich herausfordernder. Genau hier beginnt für mich die eigentliche Arbeit. Manche Passagen kosten Überwindung, doch mit Stefans ruhiger Art und den ersten erlernten Techniken schaffen wir auch diese Abschnitte.


Schließlich erreichen wir das Gimpelhaus. Unser Zimmer: ein Acht-Bett-Matratzenlager im Stockbett – einfach, sauber aber überraschend gemütlich. Lange ausruhen gibt es allerdings nicht, denn nach einer kurzen Pause steht Theorie auf dem Programm.


Am Nachmittag geht es erneut hinaus in die Berge. Unterwegs üben wir immer wieder bewusstes Atmen, Konzentration und mentale Techniken. Und dann passiert etwas, womit ich nicht gerechnet habe: Es macht „Klick“. Die Angst ist nicht verschwunden, aber sie verliert ihre Macht. Zum ersten Mal seit langer Zeit spüre ich nicht nur Anspannung, sondern auch Freude am Gehen.


Während ich Schritt für Schritt weiterlaufe, merke ich: Die Übungen funktionieren tatsächlich. Mein Blick wird ruhiger, mein Körper entspannter. Und als wir auf dem Rückweg sogar Gämsen aus nächster Nähe beobachten können, genieße ich den Moment einfach.
Die Dusche am Abend fühlt sich an wie Luxus. Danach wartet ein leckeres Drei-Gänge-Menü auf uns. Den Tagesabschluss bildet noch einmal Theorie. Klingt anstrengend – war es aber nicht. Im Gegenteil: Zu verstehen, wie Angst entsteht und wie man sie beeinflussen kann, hilft mir enorm.

Die Nacht im Matratzenlager ist überraschend erholsam. Nach einem kräftigen Frühstück starten wir mit vollem Gepäck in den zweiten Tag. Den ersten Abschnitt kennen wir inzwischen bereits gut – und genau das macht einen riesigen Unterschied. Wege, die gestern noch Unsicherheit ausgelöst haben, fühlen sich heute fast selbstverständlich an.


Der weitere Weg führt über Geröllfelder. Der Pfad ist schmal, doch ich wende die erlernten Techniken an. Zu meiner Freude gelingt es mir, die Passage ohne Kribbeln im Bauch zu meistern.




Den Gipfel erreichen wir an diesem Wochenende zwar nicht, aber darum geht es auch gar nicht. Es geht nicht um Höhenmeter oder sportliche Rekorde. Es geht darum, Vertrauen zurückzugewinnen – in sich selbst, in den eigenen Körper und in die eigenen Fähigkeiten.



Nach einer letzten Pause an der Gimpelhütte machen wir uns an den Abstieg. Eine schwierige Stelle fordert mich noch einmal heraus, doch mit Stefans Unterstützung meistere ich auch sie. Der restliche Abstieg ist dann locker und leicht zu bewältigen.


Zurück am Parkplatz endet unser Training mit einem letzten gemeinsamen Gespräch. Was bleibt, sind müde Beine, viele neue Erfahrungen und das gute Gefühl, einen wichtigen Schritt geschafft zu haben.


Danke an Vanessa, Christiane und Stefan für eure Unterstützung, eure Geduld und dieses besondere Wochenende im Allgäu.

Ich verlinke euch Alpintrekker.
Liebe Grüße und ganz viel Spirit beim Wandern und Entdecken! Sabine