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Häntzschelsteig und Zwillingssteig bei Bad Schandau

„Das ist bestimmt einfach der Wanderweg Nummer T6.“

Wenn ich heute an diesen Satz zurückdenke, muss ich lachen. Damals allerdings war uns nicht zum Lachen zumute …

Aber der Reihe nach.

Unser erster richtiger Klettersteig steht auf dem Programm. Ein bisschen Vorfreude, ein bisschen Respekt – und die Frage, was uns wohl erwartet.

Wir parken unser Auto am einzigen kostenlosen Parkplatz im Kirnitzschtal. Bis zur Straßenbahn ist es nur ein kurzes Stück zu laufen. Dann steigen wir in die historische Straßenbahn und fahren bis zum Beuthenfall.

Dort machen wir eine schöne Zufallsbekanntschaft: Tanja. Sie ist allein unterwegs und hat ebenfalls den Klettersteig auf dem Plan. Kurzerhand beschließen wir, gemeinsam loszuziehen. Zu dritt macht das Abenteuer gleich noch mehr Spaß.

Der Einstieg zum Häntzschelsteig ist in den bekannten Wander-Apps nicht eingezeichnet – offenbar, um Wanderer vom Klettersteig fernzuhalten. Über Google Maps beziehungsweise die App Via Ferrata lässt er sich jedoch finden. Nach kurzer Suche stehen wir tatsächlich davor.

Klettersteigsets angelegt – und los geht’s!

Die ersten Meter müssen noch frei geklettert werden. Für uns drei kein Problem. Danach geht es über Eisenbügel und Leitern immer weiter nach oben. Neben uns fallen die Felsen steil ab.

Spätestens jetzt ist klar: Das hier ist kein gewöhnlicher Wanderweg.

Wir kommen zum Kamin. Ralf und ich kennen diesen Abschnitt bereits, für Tanja ist der Einstieg allerdings eine Überraschung. Schmal ist gar kein Ausdruck.

Ich klettere als Erste. Beim zweiten Mal ist die Aufregung nicht mehr ganz so groß und ich kann die einzelnen Passagen viel besser genießen. Schritt für Schritt geht es nach oben.

Und dann sind wir oben.

Erst einmal heißt es durchatmen.

Vor uns liegt die grandiose Landschaft der Sächsischen Schweiz. Nur ein kurzes, etwas kniffliges Stück liegt noch vor mir.

Dann ist es geschafft.

Unser erster Klettersteig! Juhu!

Doch lange können wir uns nicht ausruhen. Über die Wilde Hölle steigen wir ab und machen uns auf den Weg zum nächsten Abenteuer:

dem Zwillingssteig.

Der Zustieg ist schnell gefunden. Wieder geht es steil nach oben – über Stahlbügel, Tritte im Felsen und schmale Holztritte. Immer wieder führen die Passagen an tiefen Abgründen vorbei. Zwischendurch zwängen wir uns durch enge Felsspalten.

Langweilig wird es definitiv nicht.

Als wir schließlich auf der oberen Affensteinpromenade ankommen, sind wir glücklich und ziemlich stolz. Jetzt haben wir uns eine Pause verdient.

Unser mitgebrachtes Vesper ist schnell verspeist.

Doch dann beginnt die Suche nach dem Rückweg.

Und dann kommt T6 …

Da wir heute nicht mehr allzu weit wandern möchten, wollen wir Richtung Häntzschelsteig und anschließend weiter zur Wolfstiege. Den Einstieg finden wir allerdings nicht.

Etwas weiter hinten entdecken wir dafür einen Abstieg – die Wolfsfalle – mit der Bezeichnung T6.

Meine Überzeugung:

Das ist bestimmt einfach der Wanderweg Nummer T6.

Also beschließen wir, dort hinunterzugehen.

Der Weg ist steil, aber zunächst gut machbar. Durch den Regen in der vergangenen Nacht ist es allerdings ziemlich glitschig.

Bis wir plötzlich vor einer senkrechten Felswand stehen.

Wir schauen uns an.

Und jetzt?

Geht es hier wirklich weiter?

Ralf schaut genauer hin.

Und tatsächlich …

Da sind Bügel!

Na wunderbar.

Tanja trägt ihr Klettersteigset noch und beginnt mit dem Abstieg. Wir warten oben. Dann hören wir plötzlich ein Brummen.

Kurz darauf ein Schimpfen.

Das klingt nicht gut.

Ein paar bange Minuten später ertönt endlich ihr erlösender Ruf:

„Geschafft!“

Den letzten Meter musste sie nach unten rutschen. Machbar – aber definitiv nichts, was ich unbedingt ausprobieren wollte.

Jetzt bin ich an der Reihe mit angelegtem Klettergurt.

Bis zum ersten Bügel habe ich ordentlich Herzklopfen. Dann kann ich mich einhängen und beginne, rückwärts den Steig hinunterzuklettern.

Ich kann die Griffe im Fels erkennen und komme Schritt für Schritt sicher nach unten.

Ralf folgt mir.

Und dann stehen wir alle drei unten.

Wir schauen uns an – und können uns nur noch in die Arme nehmen.

Was für ein Wir-Gefühl!

Der Rest des Weges ist dagegen fast ein Klacks. Wir treffen auf den Malerweg und sind bald wieder am Beuthenfall.

Dort heißt es Abschied nehmen.

Und obwohl wir uns erst heute kennengelernt haben, fällt uns der Abschied von Tanja erstaunlich schwer.

Es ist schon verrückt, wie schnell man sich bei einem gemeinsamen Abenteuer nahekommen kann.

Ob wir uns wohl irgendwann wiedersehen?

Eine wichtige Erkenntnis zum Schluss:

Später, beim Nachlesen, was die Bezeichnung T6 eigentlich bedeutet, muss ich dann doch ziemlich schmunzeln.

T6 ist keine Wanderwegnummer.

T6 bezeichnet einen sehr anspruchsvollen, alpinen Schwierigkeitsgrad.

Ach so.

Das hätten wir vielleicht besser vorher wissen sollen. 😄

Aber vielleicht wäre das Abenteuer dann auch nur halb so spannend gewesen.

7,1 km, 440 HM, 5,5 h mit Stops

Liebe Grüße und ganz viel Spirit beim Wandern und Entdecken! Sabine, Ralf und Tanja.

Wegbeschreibung: Vom Parkplatz am Beuthenfall folgen wir dem Malerweg über die untere Affensteinpromenade bis zum Abzweig zum Königsweg. An der nächsten Kreuzung geht es links zum Einstieg des Häntzschelsteigs. Nach dem Klettersteig steigen wir über das Lange Horn zur Wilden Hölle ab und gelangen zurück auf den Malerweg. Kurz darauf zweigt rechts der Pfad zum Zwillingssteig ab. Nach dessen Durchstieg erreichen wir die obere Affensteinpromenade. Wir folgen dem Weg über den Hänschelsteig vorbei an den Felsen Nordstern und Affenhorn bis zur Wolfsfalle. Von dort geht es zurück zum Malerweg und weiter zum Parkplatz am Beuthenfall.

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